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Ein Monat „Grüne Ernährung“ – Was hat es gebracht?

Das tolle am Leben ist doch, dass eigentlich nichts wirklich planbar ist. Rückblickend ist mein Leben bis jetzt kaum so verlaufen, wie ich es geplant oder mir vorgestellt hatte. Aber genau das sorgt doch für die vielen spannenden und glücklichen Momente im Leben. Ist bei dir immer alles nach Plan gelaufen? Mir wäre das vermutlich auch viel zu langweilig.

Wie du vielleicht schon gelesen hast, habe ich den letzten Monat damit verbracht, mich vegetarisch / vegan zu ernähren. Im Vordergrund standen keine ethische Zweifel, sondern meine eigene Gesundheit. Ein Großteil meiner Symptome von vor 2 Jahren sind zurück. Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme, Krämpfe, Blähbauch, Konzentrationsschwäche usw.. Die Ursache muss also woanders liegen. Nicht (nur) beim Gluten. Zufällig schaute ich vor einigen Wochen auf Netflix eine Dokumentation über Leute, die wirklich krank waren, denen es nicht gut ging und die viele Medikamente schlucken mussten (Ok, es waren Amerikaner. Die bekommen ja für alles sofort Medikamente verschrieben). Durch eine rein pflanzliche Ernährung (vegan) ging es ihnen von Tag zu Tag besser. So gut, dass sie am Ende sogar ihre Medikamente zum größten Teil absetzen konnten. Klingt verrückt oder?Obst

Der Anfang

Nachdem ich diverse Dokumentationen zum Thema „grüne Ernährung“ geschaut und auch meinen Freund Google darüber intensiv befragt hatte, wollte ich es genauer wissen. Was hatte ich schon zu verlieren? Nichts. Im schlimmsten Fall würde ich nach kurzer Zeit über ein Stück Fleisch herfallen und in meinen alten Rhythmus zurückkehren. Kann eine rein pflanzliche Ernährung wirklich meine Gesundheit soweit verändern, dass ich mich gesund und fit fühle? Wohlmöglich sogar wieder glutenhaltige Produkte zu mir nehmen kann? Aus einer plumpen Idee wurde recht schnell eine Aufgabe, die ich sehr ernst genommen hatte.

Um es mir selbst nicht all zu schwer zu machen, gab es erst einmal nur 2 Regeln. Kein rotes Fleisch und keine Milchprodukte. In den ersten Tagen aß ich kein rotes Fleisch und keine Milchprodukte. Jedoch ein Ei und etwas Hühnchen (aber nur sehr wenig). Honig stand weiterhin auf der Speisekarte. Der Verzicht auf Fleisch war wirklich sehr einfach. So einfach, dass es mich selbst überrascht hat. Vor ein paar Tagen hätte ich dich ausgelacht, wenn du mir gesagt hättest, dass ich über längere Zeit auf Fleisch verzichte… Wie gesagt, nichts ist wirklich planbar bei mir.

Die ersten Veränderungen

Es lief wirklich gut. Ich merkte schon nach 2-3 Tagen, dass mein Körper sich verändert. In meinem Magen-Darm-Trakt muss eine echt große Party gelaufen sein. Ich möchte keine Details wiedergeben. Nur soviel. Ich war froh, dass ich viel Zeit zuhause hatte.

Ab dem 10.-12. Tag, begann sich mein Körper daran zu gewöhnen, dass er mit Smoothies, Salaten und anderen köstlichen Sachen überschüttet wurde. Meine Haut begann viel geschmeidiger zu werden. Davor war meine Haut staub trocken und immer schuppig. Es juckte oft auch. Jetzt fühle ich mich den ganzen Tag wie eingecremt. Ab dem 12.-13. Tag strahlte mein Körper nur noch Power aus. Ich kann dir gar nicht sagen woran es lag. War es Einbildung? War es die grüne Ernährung? Das fehlende Fleisch? Keine Ahnung. Ich fühlte mich voller Energie. So als ob ich Bäume ausreißen könnte. Ich verhielt mich ganz anders, wenn ich draußen unterwegs war. Irgendwie gut gelaunter. Meine tägliche Müdigkeit war kaum noch präsent. „So kann es gerne weitergehen“ dachte ich mir.

Der Mensch braucht Vitamin B12

Während meiner Recherchen im Internet stieß ich immer wieder über Artikel zum Thema Vitamin B12. Vitamin B12 ist lebenswichtig und kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden. Dummerweise ist Vitamin B12 nur in tierischen Produkten vorhanden. Keine gute Voraussetzung für Vegetarier / Veganer. Menschen mit Stress, geschädigtem Magen-Darm-Trakt u.a. körperlichen Beschwerden, benötigen noch einmal mehr Vitamin B12, als ein gesunder Mensch. Ich musste mich also entscheiden. Wieder Fleischhaltig essen oder auf Nahrungsergänzungspräperate umsteigen. Die Wahl fiel nicht schwer. 2 Tage später lagen Vitamin B12 Tabletten, hergestellt in Deutschland, in meinem Briefkasten. Da lutsch ich doch lieber 1 mal am Tag für ein paar Minuten eine Vitamintablette, anstatt wieder Fleisch zu mir zu nehmen.

AEG Taste Academy Gemüse

IIIIhhhh, ein Steak

Mitte des Monats passierte wieder etwas, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich schaute, wie auch sonst, eine Dokumentation über Essen (Kann es sein, dass ich viele Dokumentationen über Essen schaue?). In einer Szene wurde bei einem BBQ eine Nahaufnahme von Steaks gezeigt, die fröhlich auf dem Grill vor sich hin brutzelten. So weit nichts besonderes. Durch meinen Kopf schoss in diesem Moment jedoch folgender Gedanke „Iiihh sieht das ekelig aus„. Zugegeben es war kein schönes BBQ und auch kein schönes Stück Fleisch. Aber alleine der Gedanke in meinem Kopf, Fleisch abstoßend zu finden, hat mich mehr als überrascht. Was war da los?

Oh wo ist mein Gewicht?

Gelegentlich stelle ich mich auf die Waage. Nicht um zu gucken ob ich zu dick bin, sondern aus reinem Interesse. Ich bin nicht wirklich dick. Ich bin dünn. Und da liegt auch das Problem. Ich will nicht noch mehr abnehmen. Mit 65kg bei 1,76m bin ich eher untergewichtig als zu dick. Durch die neue Ernährung gingen jedoch noch einmal 1-2 Kg runter. Meine Freundin mobbte mich schon und hatte Angst, dass ich immer dünner werde und nur noch aus Haut und Knochen bestehen würde. Ich musste also mehr Essen. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man auf einmal nach einer kleinen Portion voller Nährstoffe schon satt ist. Ich habe versucht, mich daran zu gewöhnen mehrmals am Tag zu essen. Nicht nur 3 mal. Sondern 5-6 mal. Natürlich nicht alles warme Mahlzeiten. Auch trinken musste ich mehr und öfters. Das war das schwerste. Wer bis zu 6 Stunden im OP Saal am Tag steht, ohne den Saal zu verlassen, der kann einfach nichts trinken. Und auch nicht 5 mal in der Zeit pinkeln gehen.

Zwetschgen

Die Vielfalt auf meinem Teller

Oft wird vegetarisches / veganes Essen als „langweilig“, „eintönig“ oder „lustlos“ beschrieben. Wird jeden Tag das gleiche gekocht, stimmt es auch. Das gilt aber auch für Fleisch. Jeden Tag ein Steak, ist einfach nur jeden Tag ein Steak. Durch eine Ernährungsumstellung ändern sich auch immer die Lebensmittel. So gesehen ist eine Ernährungsumstellung auch eine Möglichkeit, den eigenen Horizont zu erweitern. Viel Grünes, Saaten und Kerne oder Früchte, die ich vorher nie gekauft hatte, landeten so auf meinem Teller. Am Ende logischerweise auch in meinem Mund. Das meiste davon war wirklich köstlich und ich bin froh, dass ich die Zutaten gekauft habe. Auch vegetarisches / veganes Essen muss nicht langweilig und eintönig sein. Hinter einem guten Essen steht ein kreativer, guter Koch. 

aeg_veggie_deluxe_süßkartoffel

Wie geht es weiter?

Der September ist jetzt vorbei. Von den 30 Tagen habe ich mich die ersten 23 Tage komplett vegan ernährt. Insgesamt 28 Tage vegetarisch und an 2 Tagen gab es etwas Fleisch in Form von einer Hand voll Geflügelsalami. Auch 3 Eier waren mit im Spiel.

Ob ich jetzt jeden Tag vegan esse, kann ich nicht sagen. Die Vergangenheit lehrte mich, dass meine Einschätzungen und Pläne oft über den Haufen geworfen wurden. Zum jetzigen Zeitpunkt würde ich behaupten, fast täglich vegan leben zu können. Ich werde nun aber nicht akribisch darauf achten, dass in allen Produkten keine tierischen Produkte vorhanden sind. Wenn hier und da mal etwas Honig drin ist oder etwas anderes, ist das für mich ok. Auf rotes Fleisch möchte ich weiterhin komplett verzichten. Hühnchen? Könnte passieren, dass ich das ab und zu Essen werde. Das gleiche gilt für Fisch.

Mit glutenfreier Ernährung ging es mir 1,5 Jahre wirklich sehr gut. Dann von Monat zu Monat schlechter. Ob es mit der grünen Ernährung auch so laufen wird? Ich weiß es nicht. Das werde ich sehen, wenn es so weit ist. In den letzten 5 Tagen habe ich sehr viel glutenhaltige Speisen zu mir genommen. Selbstgebackene Pizza, Roggenbrot, Brötchen und Nudeln. Ich habe alles bisher ohne Probleme vertragen.

Die ersten glutenhaltigen Versuche hatte ich bereits am 17.9 und 27.9 gestartet. Auf der AEG Tasteacademy habe ich das Gluten in Form von selbst gebackenem Brot und Couscous hervorragend vertragen. Besteht hier ein Zusammenhang aus vegetarisch/veganer Ernährung und gluten(un)verträglichkeit? Ich weiß es nicht.

Karotten

Möchte ich dich bekehren?

Auf keinen Fall soll dieser Artikel dazu dienen, dich zu bekehren. Wir sind alt genug um selbst zu entscheiden, wie wir leben wollen. Ich respektiere die Meinung eines jeden einzelnen und erwarte im Gegenzug das gleiche von dir. Immerhin habe ich 32 Jahre meines Lebens Fleisch geliebt und mit bestem Gewissen verzehrt. Genau wie ich dich nicht bekehren möchte, ist dieser Artikel kein Beleg oder eine Anleitung um Krankheiten zu heilen. Erst Recht nicht ohne den Rat eines Arztes. Wenn du ernsthaft erkrankt bist, ist eine pflanzliche Ernährung evtl. eine Möglichkeit deine Krankheit zu mildern oder zu heilen. Jedoch bitte nie ohne den Rat eines Facharztes. Ansonsten kann ich jedem, der sich nicht 100%ig wohl fühlt dazu raten, für ein paar Tage / Wochen oder Monate eine rein pflanzliche Ernährung zu probieren. Was hast du schon zu verlieren?

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Martin bloggt seit Sep. 2014 unter dem Pseudonym cookingdaddy. Mit seinen Rezepten möchte er dir die Lust am Kochen zurückbringen. Auch wenn deine Zeit knapp ist.Übrigens... wenn Martin nicht gerade kocht, fotografiert oder bloggt, kümmert er sich um seine kleine Familie und ist einfach nur "Papa"

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